Donnerstag,7.Januar 2016

SAFA

GPS: N 12°58.762     E 121°19.770

Die Nacht hatte stark abgekühlt, meint,wir hatten knapp 20°C. Ein starker Regen prasselte aufs Blechdach,alles in allem wars erfrischend. Aber gleich geisterte  bei meinem Team die Angst vor einem neuen Taifun herum.Da wir durch den Elektrizitätsausfall von den Medien ausgeschlossen sind,herrscht halt Unsicherheit.                                                       Beim Fahrt in die Berge kamen uns Sturzbäche auf den betonierte,schmalen Wegen entgegen und an einem Fluß war dann plötzlich Schluß.                                                            DieFlüsse sind unter normalen Umständen (und jetzt ist das normal…) zwar uU  breit -schon mal 30m und mehr- aber auch sehr flach,sodaß wir mit unsrem speziellen Geländewagen problemlos -auch längere- Flußfahrten unternehmen können.                       In diesem Fall hörte dort die befestigte Straße auf und der unbefestigte „Einstieg“ in den Fluß war zT abgebrochen. Ich wäre umgekehrt,die Sache war mir äußerst suspekt! Aber Rolando,unser sehr bedächtige und gewitzte Fahrer meinte nach eingehender Besichtigung,aber auch nach längerem Zögern,es ginge wohl. Falls er ins Rutschen gekommen wäre wäre die Kiste ca einen Meter runter seitlich in den Fluß gekippt,sicher nicht allzu gefährlich aber das absolute „Ende einer Dienstfahrt“. Egal,es hatte geklappt,um Haaresbreite! Ich hatte das alles fotografiert und im Video (kommt noch…) aber Rolando selbst war das doch so auf die Nerven gegangen,daß wir einen anderen Rückweg mit wirklich km- langer Fahrt im Flußbett auf uns nahmen.

 

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Safa ist ein Talschlußort irgendwo am Ende der Welt,an einem Fluß,umgeben von hohen,beurwaldeten Bergen… etwas eng. Das führt dazu,daß eine wahnsinnig hohe Luftfeuchtigkeit herrscht sobald die Sonne reinbrettert,mit den entsprechenden Krankheiten: fast jede/r zweite hatte Asthma oder asthmatoide Bronchitiden und ich hatte mehr als zehn Lungen- und Organtuberkulosen zur Nachsorgeuntersuchung.Bei einem Kind hatte ich den starken Verdacht auf Lymphknotentuberkulose. Wie üblich in solchen Fällen, punktieren wir sofort und das Punktat wird am Abend nach unserer Rückkehr zur weiteren Untersuchung vorbereitet.Das alles läuft prima,das Team arbeitet sehr professionell und effektiv und ich hab eigentlich,bis auf die Diagnosestellung nichts weiter damit zu tun. Das hat Dr Pinky (ein angenommener Spitzname),die philippinische organisatorische Leiterin des Mindoroprojekts für unsre Gesellschaft,sehr gut im Griff. Das was sie hier prima macht,geht ihr absolut im Umgang mit ihren Untergebenen,also meinen Teammitgliedern, ab.Sie ist im Umgang mit ihnen eine ausgesprochene Tyrannin,verbreitet Angst und Schrecken,das vermiest manchmal die Stimmung,die sonst unter uns ganz prächtig ist, und ich werd dies auch mal ansprechen.       Nochmals: ich beschreib euch auch solche Dinge,damit niemand meint,in einer solchen Hilfsorganisation passieren nur tolle Sachen…von wegen!

Die Sprechstunde,zT bei strömendem Regen,verlief eigentlich problemlos.Mit einer Ausnahme:                                                                                                                                              Vergangenes Jahr hatte ich im Südstaff ein Mädchen kennengelernt,welches durch eine fortgeschrittene Knochentuberkulose von der unteren Brustwirbelsäule an teilweise gelähmt war. Ein Kollege von mir hatte sie als erster behandelt und,weil sie körperlich total runtergekommen war,bei uns im Staffhaus untergebracht,die Unterkunft und Verpflegung,sowie eine eigene Krankenschwester für sie bezahlt. Es ging ihr,nach einigen Monaten,als ich sie dort kennenlernte den Umstäden entsprechend gut,ein freundliches,aufgeschlossenes Kind (siehe meinen Bericht vom letzten Jahr). Dr Pinky war die ganze Sache von Anfang an ein Dorn im Auge und wollte sie eigentlich sofort wieder loswerden!         Ich hatte noch eine krankengymnastische Behandlung anleiern wollen aber auf ganz Mindoro gibts keinen einzigen Krankengymnasten! Ein ganz einfaches Fahrradergometer,zum Muskeltraining wollte ich ihr von den Spendengeldern anschaffen, aber Pinky lehnte kategorisch ab: Unsinn,nicht nötig! Jedenfalls verfrachtete sie Ibayna,so heißt die Kleine,wenige Zeit nach meiner Heimkehr in ihr Dorf zurück.Pinky versprach mir,sich um sie danach auch dauerhaft zu kümmern,zumal keine Eltern mehr da waren,nur ein entfernter Onkel,der sich um sie kümmern wollte.

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Knochentuberkulose

 

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Ausgedehnte Pilzerkrankung am ganzen Körper

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dazu ein monatraltes Abszess, das ich dann aufgemacht hab…

 

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Ineinander mit Knochentuberkulose

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Onkel war nach kurzer Zeit auch gestorben,Pinky hatte die anfänglichen Reislieferungen in letzter Zeit eingestellt und wenn nicht der Kollege,welcher sich vorher schon um sie gekümmert hatte,Geld für Reis bereitgestellt hätte,welches jetzt auch schon wieder gleich aus ist,sähe es schlecht aus um sie!                                                    Gottseidank hat sich  ältere Partnerin unsrer Gesellschaft vor Ort mit ihrem Mann zusammen sich ihrer erbarmt und sie bei sich aufgenommen.Das Ehepaar lebt selbst am unteren Existenzminimum,schleppt Ibayna am Rücken überall in den Bergen rum, und kümmert sich rührend.Diese Partnerin unsrer Gesellschaft bekommt -natürlich- von Pinky  keine Unterstützung,obwohl sie auch offiziell die Ambulanztage vorbereitet und Leute versorgt!

Ok,ich hab-nachdem ich Ibayna am Gesäß erstmal ein ewig bestehendes,tiefes Abszeß ,am Po aufgeschnitten hab und der „Mutter“ gezeigt hab,wie sie es weiterbehandeln muß, ihr erstmal etwas Geld gegeben,mich bei ihr für die Pflege badankt und ihr versprochen,mich weiterhin zu kümmern.Ich werd mich dazu mit dem Kollegen in Verbindung setzen und wieder berichten.

So,das Internetcafe macht zu! Morgen fahren wir noch tiefer in die Berge,übernachten dort etwas abenteuerlich (ich kenn den Ort),haben natürlich keinen Strom,sodaß ich mich frühestens Übermorgenabend wieder melden kann.

Lehrerin Safa

Lehrerin Safa

 

 

 

 

 

 

 

Meine Damen haben sicher schon was Ordentliches gekocht,bei Kerzenlicht, und ich mach mich hier mal vom Acker.

Ein guts Nächtle!

 

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