Mittwoch,den 18.12.2013

 Zwei Stunden Anfahrt ans Gebirge.Auf einer weiten Ebene hat die Bezirksverwaltung ein kleines Hüttendorf hingestellt,offene,strohgedeckte Häuschen,richtig malerisch in der bergigen und zum Horizont hin wuchtig gebirgigen Umgebung passend.

 Diese sind für die eingeborenen Mangyanen,die dort wohnen und zur Sprechstunde einen Tag bis zu vier Stunden anmarschiert kommen oder -ganz wenige -,mit kleinen,richtig zäh aussehenden,schmalen Bergpferden anreiten.

 Wie vor jedem Behandlungstag drehe ich meine Runde,erkunde ein wenig die Umgebung,nehme „Besitz“ von meinem Behandlungsbereich.

 Am Ender der weiten Wiese,auf der schon zwei Wasserbüffel weidenDSCF0153,wohl aus dem nicht weitentfernten Dorf,hinter einem kleinen Wäldchen,fand sich schließlich ein kleiner Fluß mit einer Furt,hinter dem sich dann nur noch ein schmaler Pfad gleich den Berg hochzog.

 Am Wasser wuschen sich die Menschen aus den Bergen,wuschen ihre Kleider (die sie später neben dem Hüttendorf auf den Büschen zum Trocknen auslegten),um dann zur Behandlung weiter zu wandern.Ich hab keine wirklich schmutzigen Patienten gesehen-das ist bei mir in der Praxis gelegentlich anders…*s*!Warm wars wieder,blauer Himmel,himmlische Landschaft und gelassene,irgendwie würdige Menschen,welche mir gegenübersaßen…

DSCF0145Andrerseits gings dann auch wieder rund,allerdings ganz anders,als ich mir das vorgestellt hatte!

 Der Taifun hatte einen großen Teil der Lebensgrundlage dieser Bergmenschen zerstört:die Bananenbäume,im übrigen ihre einzige,sehr karge Einnahmensquelle!

 Sie leben von Reis,allerdings offensichtlich nur kleinste Parzellen mit nur einer Ernte im Jahr (im warmen Restinselland sind es drei Ernten),der reicht im Allgemeinen grad einen Monat,dazu gibt’s wilde Kartoffeln und eine Gemüseart und eben Bananen.Damit halten sie sich normalerweise,wohl oft hungernd,über Wasser!Und da die Bananen nun weg sind wird anscheinend sehr gehungert!

 Die German Doctors haben deshalb Reis gekauft und der wurde zuerst verteilt.(Nebenbei: mindestens 500 EUR der Spenden gehen da hin;ich hab das schon unsrer Koordinatorin versprochen),außerdem wurden Geschenkpakete verteilt (Decken,Tücher,Süßes…),ich mußte mitmachen…na ja,nicht grad meine Sache… DSCF0165

 Nach zwei Stunden,die natürlich sehr wichtig waren;mit viel Gelabere auch meiner Assistentinnen

 -Frauen eben,alle gleich *s – gings dann zur Sache: 101 Patienten und die wildesten Krankheitsbilder;da die Menschen nur selten die Strapazen eines „Arztbesuches“ auf sich nehmen,sind die Ausprägungen natürlich erheblich.

ZB mehrere „Ringworms“,ein oberflächlicher Hautpilz,nicht selten,aber im Endstadium können riesige Hautfächen mit kleinen,flockigen Hornschüppchen bedeckt sein,die Hautfärbung fehlt,im Extremfall,wie das Mädchen auf dem Bild, sehen diese-meist älteren-

 Kinder wie Albinos aus.(Bild DS.. 155 und

IMG_0155.1

Bedauernswert,denkt man,aber für diese Menschen scheint das ziemlich nebensächlich zu sei;es gibt wohl Wichtigeres!Solche Kinder hab ich vielleicht 8 oder 9 gesehen…

 und eben die ganze Palette:Krätze,Tuberkulose wieder (feuchtes Klima,schlechte Ernährung) Anämien und und und….zwei riesige Zysten bei einem Säugling aufgeschnitten,ich erwähns deshalb,weil die Mutter ihr Einverständnis mittels eines Fingeabdruckes in der Akte bestätigen mußte!Die meisten können nicht lesen und schreiben,dh,sie haben keine Schule besucht.Und nicht nur die Erwachsenen:

 Ich hab jede Mengekleiner Geschenke aus Deutschland mitgenommen:Kugelschreiber,Luftballons,kleine Stofftiere…eine Patientin hat mir selbstgehäkelte Puppen mitgegeben (ich hab mir gedacht,ob die das wohl so erkennen…),die Kleinen sind ganz wild drauf und lachen sofort,unfaßbar!

 Ja,einen neunjährigen Jungen, der 3 Stunden aus den Bergen mit einem Ringworm unterwegs war und sehr aufgeweckt aussah,hab ich fragen lassen,ob er in die Schule geht: nein,zu weit entfernt…ich hab ihm dann einen Kugelschreiber geschenkt,den er sehr interessiert rumdrehte und dann spontan meine Assistentin bat,ihm seinen Namen auf ein Rezeptpapier

 zu schreiben.Das hat er dann sofort eingesteckt,wohl um zu üben.Wahnsinn!Hab ich mir gedacht,was mag in dem schon alles vorgegangen sein;diiie Träume und Vorstellungen würd ich gern wissen;in seinem Kopfkino hätte ich gern gesessen!Wieviel mögliche Nobelpreiträger liegen dort brach?Und ist das so wichtig?

  Es war einfach ein toller Tag!Lassen wir es einfach so stehen…

 Noch ein paar Bilder:

IMG_0156

 

 

 

 

 

 

 

162 „Comfortroom“ heißt das…welches ich mit eurer Hilfe etwas aufzuhübschen versuche…bin in Verhandlung

 

Stammmitglieder,die sich in die Nacht,in die Berge,aufmachen

Stammmitglieder,die sich in die Nacht,in die Berge,aufmachen

 

 

 

 

 

auf dem Heimweg im nahen Dorf,Weihnachtsidylle,....Kontrastprogramm

auf dem Heimweg im nahen Dorf,Weihnachtsidylle,….Kontrastprogramm

 

ein wenig Abendstimmung

ein wenig Abendstimmung

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu

  1. Andrea sagt:

    ….ich finde es nicht wichtig….ich weiß auch nicht ob die Menschen als Nobelpreisträger glücklicher wären….? Aber mit ganz elementaren Dingen, wie ausreichend zu Essen, Dach über dem Kopf,….würde es ihnen schon besser gehen
    Wieviele rennen denn hier rum haben ALLES im Überfluss, und sind doch nocht glücklich. Ich brauche eine Postadresse wo ich Kleider, kleine Spielsachen, usw. hinschicken kann, oder gibt es eine andere Möglichkeit?!
    Heute ist HeiligAbend wir liegen alle 3 mit Magen-Darmvirus da und machen das beste daraus 😉 bleibt wenigstens die Fresserei aus! Wie lecker doch nach 2 Tagen hungern so ein Zwieback mit Schwarztee(mit Traubenzucker) schmeckt!!
    Ich wünsche dir weiterhin eine gute Zeit….ich denke ständig an die German Docters!….immer wieder Hut ab 🙂
    Gruß aus dem frühlingshaften Deutschland
    Andrea Meyer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.