Mo. 20.06.2011 …jeden Tag ein wenig Abschied…

morgens zuerst nach Gandaria, die Sprechstunde in einem Loch, ca 5m unterhalb der Eisenbahnlinie, umgeben von Slumhütten der übleren Art:

Runterstieg zu unsrem Praxisraum ganz hinten.
Links und rechts 4Schulzimmer von Babuls Projekt
und die Verpflegungsküche.

-der netten Frau hatte ich mal Mangoschnitze im Zeitungs papier abgekauft: alles mit Chillizeug gewürzt-und sofort an einen Schüler weitergegeben.Schon die Kinder habens am Magen…
Umgebungshütten und Bewohnerin (normalerweise gibts so gute Sachen nicht wie die,welche sie in Händen hält…).
Einer unserer Mitarbeiter geht vor jeder Sprechstunde mal quer durch die Hütten und fragt nach:

ich frag natürlich immer,ob ich photographieren darf!)der alte Herr lag schon 2 1/2 Jahre irgendwo anders
so da und ich wurde zum „Hausbesuch“gerufen: Diagnose: „Morbus Parkinson“,der sicher vor längerer Zeit gute Chancen gehabt hätte,mit einer Tablette ein menschenwürdiges Leben zu führen. Jetzt sind die Gelenke schon zu versteift. Er muß trotzdem ins Hospital, weil ich noch den dringenden Verdacht einer Tuberkulose hatte. Ob er ins Krankenhaus gebracht wird ist mal eine andre Frage! Die Fahrt auf einem Lastrikscha geht noch, aber die 200 Taka (2 EUR) Aufnahmegebühr wird zum Knackpunkt:Er hat keinen Sohn! Die Tochter,welche auch kurz auftauchte, ist seit der Hochzeit nur noch Mitglied der Familie ihres Mannes (die sich nicht verpflichtet fühlen muß) ud der Neffe, der auftauchte machte böse Mine!
Da wir am Donnerstag nochmals dort sind, werd ich nachschauen, Druck machen und das Geld natürlich geben; kontrolliern wird dann nächste Woche meine Kollegin.
Ich habs nur so ausführlich geschildert, um an einem Beispiel die Schwierigkeiten zu schildern, welche in dieser oder ähnlicher Form immer wieder auftauchen.

…vielleicht mal was nettes dazwischen. Hab grad Zeit (wir haben abends IMMER Zeit:
kein Fernsehen-cnn?-kein Radio, die zerfledderten hiergelassenen Romane…na ja, und Kakerlakkenjagen macht irgendwann auch keinen Spaß mehr, selbst die nicht, im Kühlschrank… also:
Die Bangladeschigastfreundschaft ist unübertroffen; wirklich viele Beispiele hätte ich parat,aber eines der nettesten, welche auch einen Einblick in die Kultur gibt ist folgendes:
Marlies und ich waren in Srimungal-Ausgangsort zum Naturpark- vom Rikschafahrer falsch abgesetzt worden: vor einem Gemeinschaftshaus, in welchem gerade Hochzeit gefeiert wurde. Sofort waren wir auf der Straße umringt: Germany? Wir mußten unbedingt dazukommen, es gab kein Entrinnen!!!
Im Erdgeschoß saßen ungefähr 100 Männer und schlugen sich den Wamst voll Wir -auch Marlies, wie selbstverständlich- wurden dazugezwungen, mußten essen und trinken: Hühnchen in jeder Form, Reis, verschiedene Gemüse-natürlich nur Wasser dazu-und natürlich mit den Fingern- nur mit der rechten Hand, die linke wird zum Hinternabputzen benutzt- wir wurden dem Bräutigam vorgestellt, der, etwas abgetrennt von den anderen, mit Freunden trohnte.
Dann gings hoch in den 1.Stock zu den Frauen-mit mir!- Dort saß die Braut an einem Tisch voll mit Süßigkeiten und wurde von Freundinnen gefüttert. Marlies mittendrin: Braut füttern, selbst ein wenig gefüttert werden… nur ich durfte nicht… es fiel mir nicht schwer *s*.
Auf unsre vorsichtige Nachfrage: die Braut MUSS so abweisend schaun, da sie mit der Hochzeit aus der elterlichen Familie vollstädig in den „Besitz“ der Familie des Ehemanns übergeht! Und hier schließt sich wieder der Kreis zum letzten Teil meines Berichts aus
Gandaria.

Am Nachmittag dann Abschied von meiner Lieblingsstation Khilgoan2, direkt an den Bahngleisen, mit den zeltartigen, oft runden, kleinen, Bambusplasikhütten in denen oft 5 und mehr Personen leben müssen; es fiel mir schon schwer…
Ich hab schon früher davon berichtet. Bei jedem Zug, der vor der „Tür“vorbeirauschte, bin ich nochmal rausgesprungen-wahrscheinlich ein altes Märklintrauma *s*-, hab die Typen bewundert, die auf den Dächern standen und rumsprangen -Jugendträume?
Jack London?-na ja…vorbei!

unsre Sprechstundenedelhütte mit
Anne, meiner Kollegin.

Hütten und Bewohner


Kleinjungenträume

die gegenüberliegende Pumpstation; es gilt für alle Slums:Reinlichkeit,mehrmaliges,tägliches Waschen
ist Ritual! Zähneputzen mit den Fingern hab ich
sehr oft, besonders bei den Jüngeren, gesehen!
Ansonsten wären diese Slums üble Säuchenherde,
das sie nicht sind!

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