12.06.2011

Bin wieder zurück von meinem tollen Ausflug. Von wegen erste Klasse und Raddampfer:
ein 75 Jahre alter holländischer (auch das noch!) Seelenverkäufer,der hauptsächlich durch Farbe und tausenden von aufgeschweißten Stahlplatten bestand: ein holländisches Geisterschiff, aber toll! Kabine wie eine Gefängniszelle; Airkondition, die man nicht ausstellen konnte, aber mit Netzanschluß.

Die Landschaft aber dazu:
riesige Flußdeltas, nur Grün, eine Erholung der Sinne gegenüber Dhaka, 28Stunden lang; ich Hektiker, bewegungsstarr am Bug; traumhaft. Die Rückreise eher, wie immer hier, chaotisch: Zugzusammenstoß, Strecke seit 24 h gesperrt, keine Sau weiß, wies weitergeht: letzten Bus erwischt und 12 Stunden Durchdiegegendgegeige. Aber es war gut.
Wir wären sonst nicht mehr aus Kulna rausgekommen. Seit heute wieder 2 Tage Generalstreik in Bangla; Busse brennen….Babul hatte uns in letzter Minute-durch Beziehung und Schmieren natürlich-gerade noch rausbekommen…das läuft halt so, der alltägliche Wahnsinn, und ich hab mich schon seit einiger Zeit daran gewöhnt: Gelassenheit, Beziehung, ein wenig Geld nebenher…kein Problem!

War vorher irgendwo hängengeblieben bei meinem Lieblingsprokekt…
…nass bis auf die Schuhsolen wohl.
„Kilgaohn2“-wahrscheinlich bring ich sie alle durcheinander-, ein Slumgebiet direkt an den Bahngleisen. Wenn der Zug aus Kalkutta durchrauscht, breitere Spur, dann fehlen oft grad mal 20cm zu den Hütten. Die Sprechstunde findet in einer unbeschreiblich angenehmen Atmosphäre statt-für uns natürlich nur-. Nur durch ein Bambusgitter getrennt seh ich von meinem Arbeitsplatz die Menge, welche sich in dem kleinen Vorraum drängelt, um aufgenommen, gewogen, Blutdruck  und die Tempereatur gemessen zu bekommen; jeder.
Durch den offenen Eingang rauscht hautnah mit Hupen und Getöse immer wieder ein langer Zug durch (ich: Märklingeneration, stürz natürlich immer wieder raus…). An der Lokomotive vorn hängen dann Menschen, auf den Waggons hocken sie und Jugendliche springen beim fahrenden Zug ,von Waggon zu Waggon; nicht zum Hinsehen!
natürlich passieren üble Unfälle…

Soweit zum Allgemeinen.
natürlich interressiert ihr euch , was wir behandeln, wofür wir überhaupt da sind…
In unsrer Sprechstunde behandeln wir überwiegend junge Frauen und Kinder.
(nicht wie in vielen arabisch-muslimischen Ländern: hier arbeiten die Männer wie die Tiere (auch viele Frauen), alles sehr liebenswürdige, aber auch sehr leidende Menschen. Die kleinen Frauen, furchtbar schmal, wiegen im Schnitt 35 kg und schleppen dann noch zwei Kinder mit sich rum. Diese haben all einen großen, schwarzen Fleck an der seitlichen Stirn, Kettchen und Amulette überall, gegen die bösen Geister.
Meist haben die Kinder Fieber, Husten, Tag und Nacht, eitrige Augen und Ohren; fast immer Hautausschläge, häufig Krätze-oft eitrig überinfiziert-, chronische Ekzeme, Hauteiterungen, immer wieder Abszesse, die wir dann vor Ort eröffnen-unter den Bildern im Anfang ein Kind, welches ein fast hühnerei großes Abszess über dem Schlüsselbein hatte-, oft Brüche und Ventilatorverletzungen am Kopf.
Die Männer, meist Rikschafahrer oder Taglöhner… allerhärteste Knochenarbeit…. und die sehr Alten klagen über Rücken-und Gelenkschmerzen. Asthma zieht sich durch alle Altersgruppen (auch „fischen“ wir jede Woche Tuberkulose). Gekocht wird am offenen Feuer vor jeder Hütte, die aber alle durch ein permanentes Durchzugssystem verbunden sind: wir in unseren Sprechstunden sind da mit eingebunden, hauen aber nach ein paar Stunden wieder ab.
Alle leiden unter Schwäche und Schwindel: die aussichtslosen Lebensumstände, die räumliche Enge, diese permanente Hitze, welche seit Wochen herrscht-der Monsun will nicht einsetzen-, aber auch die Eisenmangelanämien-nicht Anständiges zum Essen-, all das führt zu dieser lethargisienden Grundsimmung. Aber auch wie bei uns: die ausgefressenen Hypertonikerinnen mit Schmerzen, Armbrüchen, gr0ße Leistenbrüche…

Häng noch ein paar Bilder dran. Morgen ist Generalstreik, dann hab ich ein wenig Ruh…

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