Donnerstag,08.01.2015

Donnerstag,den 08.01.2015

Gestern war so ein Tag,den ich auf einer Skala zwischen minus 10 und plus 10 bei Null einstufen würde:
Da der Weg zum eigentlichen Ambulanzplatz für einige Zeit nicht befahrbar ist,hielten wir Sprechstunde in einer halboffenen Baskethalle eines größeren Ortes und dementsprechend waren auch meist „Lowländer“ unsere Patienten,mit den entsprechenden Zivilisationskrankheiten.
Ein knochentrockener Arbeitstag,wieder mit über 70 Patienten… nichts besonderes;man ist halt müde danach…
Ich werd ab jetzt diese Tage,die es eben immer mal gibt nicht mehr erwähnen.Dafür werd ich mal drüber schreiben,wie bei den Bergmangyans in Ermangelung von Toiletten das große Geschäft abgewickelt wird; über das Sexualleben werd ich euch berichten und über den Totenkult…hab ich jedenfalls vor.
Da ich jetzt drei reine Mangynkrankenschwestern um mich rum habe,welche alle in solchen Dörfern aufgewachsen sind,und wie Lalyn,von der ich schon berichtete und bei deren Familie ich über Nacht eingeladen war,noch dort lebt,ist das alles dann auch authentisch.

Heute gings schon mal wieder mit Regen los,bis un den vorletzten Winkel des mittleren Berglandes.Unser Ambulanzplatz lag in einem weiten,von einem großen,flachen Fluß durchzogenen,Tal.
Wohl über Kilometer konnte man zu den hohen,den Horizont begrenzenden Bergen sehen und die
herkommenden Patienten schon von Weitem meist als bunten,immer größerwrdenden Punkt erkennen.
Kein Dorf war in der Nähe und einige windschiefe Hütten waren als Ambulanzplatz für die ausschließlichen Mangyanpatienten aufgebaut worden.Den ganzen Tag wehte ein ausgesprochen starker Wind…anfangs mit Regen

    

Als wir ankamen,war eine einzige Patientin da… „Es wird ruhig heute“,dachte ich..dachte ich…
Erst so gegen 10 Uhr wurds voller: Kinder,Kinder,Kinder,davon viele Säuglinge.Die kamen alle aus
den hohen Horizontbergen,bis zu 6 Stunden hergalaufen!Bei Dunkelheit mußten die los und eine Mutter mit einem Säugling mit schwerer,doppelseitiger Lungenentzündung lief 5 Stunden her,alleine,wie die meisten.Bei dem Wetter benutzten sie als Regenschirm ein Palmblatt,um die Kleinen zu schützen

Die meisten hatten schwere Atemwegsinfekte,sehr viele aber auch ausgeprägte Hauterkrankungen,wie man sie heut nicht einmal mehr in westliche Universitäten kennt: „Ringworm“… sieht anfangs wirklich wie ein Hautwurm aus

ist aber eine Pilzerkrankung ,bei der der Patient großflächig die obersten Hautschichten zerstört hat und ihn von fern ,im Endstadium, wie ein Albino aussehen läßt

Dieser Mangyanstamm (acht Mangyanstämme gibt es),die Panluan, leben in den hintersten und zum Teil sehr hohen Bergregionen.Hier ist es immer noch „Tradition“ (wie es Lalyn und Gina,meine Mangyanschwestern ausdrückten), wenn die Mutter bei der Geburt stirbt,den Säugling mit ins Grab zu legen,falls ihn niemand aus dem Stamm adoptiert!
Diese Tradition hat es bei fast allen Mangyanstämmen gegeben.Vor allem durch die Arbeit eines deutschen,katholischen Priesters,welcher die Mangyanmission aufgebaut hat, Pater Possmann,
ist ua diese Sitte weitgehend verschwunden,nur eben hier nicht.Auch viele Mangyanschulen in den Bergen sind auf Grund seiner Initiative in den letzten Jahrzehnten gebaut worden…

Später kam dann die Sonne raus und das Tal zeigte sich in seiner ganzen Schönheit:

     IMG_1099
Meine Ambulanzhütte bei der Ankunft

und vor der Arbeit:

und
Blick aus meinem „Sprechzimmer“ auf einen Gesundheitsvortrag für die Erwachsenen ,von Lalyn

und zum Schluß: wies wohl doch am Besten schmeckt…

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